Die Partnerschaft zwischen den
beiden
Gemeinde reicht eigentlich weit zurück bis in die 50iger Jahre.
Einige
Willmandinger können sich noch daran erinnern, wie vor Weihnachten
Päckchen mit Lebensmitteln, Textilien, Nägeln und Spielsachen gepackt und
"nach drüben" geschickt wurden.
Konnten Kontakte bis dahin nur über Pfarrer Victor in Nerkewitz
laufen,
änderte sich dies 1989, als Altengönna mit Bärbel Hertel
endlich wieder eine Pfarrerin bekam. Am 30. Oktober 89 bekam sie dann
zum
erstenmal Besuch aus der Willmandinger Kirchengemeinde. Einen Tag vor
dem
Reformationstag und wenige Tage vor der Wende (am 9. November wurde die
Mauer geöffnet) begrüßte sie den Posaunenchorleiter,
der
mal wieder einige Tage in Thüringen weilte. Nun war der Bann
endgültig
gebrochen, zumal auch in Willmandingen mit dem Ehepaar Leube neue
Pfarrer
aufgezogen waren, die großes Interesse hatten, eine gute
Partnerschaft
aufzubauen. In diesem Jahr ging nach fast 4 Jahrzehnten wieder ein
Paket
auf die Reise, allerdings nicht mit Lebensmittel, sondern voll mit
Bastelmaterial
für die Weihnachtszeit. Bärbel erzählte später, sie
hätte zu einem Bastelabend ins Pfarrhaus eingeladen und war dann
völlig
überwältigt, daß ihre Küche fast nicht ausgereicht
hätte, die vielen Frauen aufzunehmen.
Im Laufe der Zeit schlief diese
Patenschaft,
wie es früher hieß, allerdings ein. 1985 war es dann der
Posaunenchor,
der das Opfer einer Feierstunde für die Patengemeinde erbat, damit
der dortige Gemeinderaum mit einem Radiator beheizt werden konnte.
Chorleiter
Eberhard Kappus weilte 85 in Apolda beim Landesposaunenwart Klaus Ullmann und zusammen mit ihm fuhr er
die wenigen Kilometer nach Altengönna, um sich das Dorf einmal an zu schauen, in das auch im nächsten
Jahr das Opfer der Posaunenfeierstunde ging.
Wieder war es der Posaunenchor, der
als erste Gruppe nach AG fuhr. Vom 11. bis 13. Mai weilte man dort. Die
Gastgeber überschlugen sich fast damit, den Schwaben den
Aufenthalt
so angenehm wie möglich zu machen. Es war mehr als phantastisch.
Das
Wetter spielte mit, so daß das Fest am Abend vor dem Pfarrhaus
stattfinden
konnte, und was für ein Fest es wurde. Selten verstehen sich
Menschen
von Beginn an so hervorragend, wie in diesem Fall. Bis spät in die
Nacht hinein wurde gefeiert. Wer dabei war, wird diese Tage nicht mehr
vergessen.
Eine der ersten Arbeiten in ihrer
neuen
Gemeinde war für Bärbel Hertel, die Renovierung des
Gemeinderaumes
im Pfarrhaus. Als die Bläser kamen, war aus dem finsteren Loch ein
heller, freundlicher Raum geworden. Nur nebenan fehlte noch die
Toilettenschüssel,
die brachten die Bläser mit und Richard Möck, von Beruf
Installateur,
montierte sie sogleich.
Von nun an wuchs nicht nur die
Partnerschaft,
sondern in AG auch der Kirchturm, der ein paar Jahre zuvor wegen
Einsturzgefahr
abgetragen werden mußte, wieder "in den Himmel". Bereits im
November
91 konnte das Knopffest gefeiert werden. Selbstverständlich war
auch
bei diesem Anlaß eine größere Gruppe aus Willmandingen
dabei.
Waren früher Besuche wie eine
Einbahnstraße West-Ost, wurde daraus nach der Wende eine
Straße
mit Gegenverkehr. So war es selbstverständlich, daß im
selben
Jahr viele Altengönnaer die Einladung zum Gemeindefest nach
Willmandingen
gerne wahrnahmen.
Alle Begegnungen hier aufzuzählen,
würde den Rahmen sprengen, aber wie stark der Name Altengönna
in den Köpfen verankert ist, läßt sich an einer kleinen
Begebenheit zeigen. Eine Willmandinger Familie machte Urlaub in
Thüringen.
Auf der Fahrt durch diese wunderschöne Gegend, kamen sie
zufällig
durch Neuengönna und dachten, da kann Altengönna nicht weit
sein.
So kam es, daß Bärbel ganz überraschend Besuch von der
Schwäbischen Alb bekam.
Ein absoluter Höhepunkt stand
dann im Jahr 1995 an. Fast auf den Tag genau 5 Jahre nach dem ersten
Besuch
der Bläser, konnte am 13. Mai die renovierte Kirche eingeweiht
werden.
Es war ein großer Tag für Altengönna, als Herr Schmid
die
Kirche aufschloß und die Besucher einließ. Bis auf den
letzten
Platz war die Kirche gefüllt. Wer dieses Gotteshaus wenige Jahre
zuvor
gesehen hatte, kann es fast nicht glauben, was hier geschaffen wurde.
Aus
einer Ruine wurde ein Raum, der schon rein äußerlich zum
Verweilen
einlädt. Mittelpunkt ist natürlich der fast 500 Jahre alte
Altengönnaer
Flügelaltar, der 1806 von Napoleon geraubt wurde, aber mitten auf
einem Acker versank der Wagen, selbst 8 Pferde schafften es nicht, den
Wagen vom Fleck zu ziehen. erst als die Bilder abgeladen und an ihren
alten
Platz gebracht wurden, bewegte er sich wieder, gezogen von 2 Pferden.
In all den vielen Jahren seit 1990
gedieh die Partnerschaft immer mehr.
